Altbau Elektrik erneuern: Kosten 2026, Pflicht und Ablauf

Februar 4, 2026

Die Elektrik im Altbau zu erneuern kostet 2026 meist 80 bis 150 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, für ein Einfamilienhaus mit 130 m² also rund 10.000 bis 20.000 Euro. Eine generelle Pflicht zum Austausch gibt es nicht. Sie entsteht, sobald die Anlage wesentlich erweitert wird oder eine Prüfung gefährliche Mängel zeigt.

Kurz gesagt: Anlagen, die 30 bis 40 Jahre alt sind, haben oft keinen FI-Schutz, zu wenige Stromkreise und teils noch klassische Nullung. Wer ohnehin saniert, lässt die Elektrik vor dem Innenausbau komplett neu machen. Das ist günstiger als jede spätere Nachrüstung. Arbeiten an der Anlage darf nur ein beim Netzbetreiber eingetragener Elektrofachbetrieb ausführen.

Was kostet es, die Elektrik im Altbau zu erneuern?

Den größten Einfluss haben Wohnfläche, Ausstattung und Wandaufbau. Massives Mauerwerk macht das Schlitzen teurer, Holzbalkendecken erleichtern die Leitungsführung. Material macht grob 40 bis 50 Prozent der Summe aus, der Rest ist Arbeitszeit. Elektriker rechnen 2026 meist 60 bis 90 Euro pro Stunde ab, dazu kommt die Anfahrt.

ObjektStandard (80 bis 110 €/m²)Gehoben (110 bis 150 €/m²)
Wohnung, 70 m²5.600 bis 7.700 Euro7.700 bis 10.500 Euro
Wohnung, 100 m²8.000 bis 11.000 Euro11.000 bis 15.000 Euro
Einfamilienhaus, 130 m²10.400 bis 14.300 Euro14.300 bis 19.500 Euro
Einfamilienhaus, 180 m²14.400 bis 19.800 Euro19.800 bis 27.000 Euro
Komplette Neuinstallation inklusive Unterverteilung, ohne Putz und Malerarbeiten. Richtwerte Stand 2026, regional deutlich verschieden.

Smart-Home-Vorbereitung, Netzwerkkabel in jedem Raum, Wallbox-Zuleitung und Überspannungsschutz heben den Preis über 150 Euro pro m². Nicht enthalten sind Putz, Spachtel und Anstrich nach dem Schlitzen. Diese Folgekosten fallen bei einer ohnehin geplanten Altbausanierung kaum ins Gewicht.

Welche Einzelmaßnahmen kosten wie viel?

Nicht jede Altbau-Elektrik muss komplett raus. Sind die Leitungen in gutem Zustand und haben einen Schutzleiter, reichen oft einzelne Bausteine. Ob das zutrifft, zeigt nur eine Prüfung vor Ort.

MaßnahmeKosten 2026Wann sinnvoll
Prüfung der Anlage (E-Check)250 bis 650 Eurovor Kauf, vor Sanierung, bei Warnzeichen
Neue Unterverteilung mit FI-Schutz500 bis 1.000 EuroLeitungen intakt, Sicherungskasten veraltet
Zählerschrank modernisieren1.500 bis 2.500 EuroZählerplatz alt oder voll, Wallbox oder Wärmepumpe geplant
Neuer Stromkreis mit Leitung200 bis 600 EuroKüche, Bad oder Werkstatt überlastet
Zusätzliche Steckdose60 bis 150 Euroeinzelne Räume unterversorgt
Richtwerte Stand 2026 inklusive Material, ohne Putzarbeiten.

Ein neuer FI-Schalter schützt nur dann wie vorgesehen, wenn die Leitungen dahinter einen Schutzleiter haben. Liegt noch klassische Nullung vor, reicht der Tausch des Sicherungskastens allein nicht.

Woran erkennt man veraltete Elektrik im Altbau?

Ein festes Ablaufdatum hat eine Elektroinstallation nicht. Als Faustregel gelten Anlagen ab 30 bis 40 Jahren als überholt, besonders aus den 1950er- bis 1970er-Jahren. Typische Merkmale sind:

  • Schraubsicherungen statt Sicherungsautomaten im Kasten,
  • kein FI-Schalter (Fehlerstromschutzschalter) für Bad und Steckdosen,
  • zweiadrige Leitungen ohne grün-gelben Schutzleiter,
  • stoffummantelte Leitungen oder Aluminiumleitungen,
  • wenige Stromkreise, oft nur einer pro Etage,
  • häufig auslösende Sicherungen, warme Steckdosen oder Schmorgeruch.

Die letzten drei Warnzeichen sind kein Fall für spätere Planung. Warme Steckdosen oder Schmorgeruch gehören sofort in die Hände einer Elektrofachkraft, der betroffene Stromkreis bleibt bis dahin abgeschaltet.

Ist die Erneuerung der Elektrik im Altbau Pflicht?

Nein, nicht allein wegen des Alters. Eine Anlage, die bei ihrer Errichtung den damaligen Regeln entsprach, darf grundsätzlich weiterlaufen. Dieser Bestandsschutz endet in der Praxis in drei Fällen: bei einer wesentlichen Änderung oder Erweiterung, bei einer Nutzungsänderung und wenn eine Prüfung eine Gefahr feststellt. Was das im Detail heißt, steht im Beitrag zum Bestandsschutz der Elektroinstallation.

Rechtlich klar geregelt ist die Verantwortung. Nach § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung ist der Anschlussnehmer für die Anlage hinter der Hausanschlusssicherung verantwortlich. Das bleibt auch so, wenn die Wohnung vermietet ist. Arbeiten an der Anlage dürfen außer dem Netzbetreiber nur Installationsunternehmen ausführen, die in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen sind.

Technischer Maßstab für Planung, Errichtung und Prüfung sind die VDE-Bestimmungen der Reihe DIN VDE 0100 für Niederspannungsanlagen. Neue Stromkreise müssen deshalb nach heutigem Stand ausgeführt werden. Dieser Abschnitt ersetzt keine Rechtsberatung. Im Einzelfall entscheiden Netzbetreiber, Elektrofachkraft oder Gericht.

Teilsanierung oder komplett neu?

Eine Teilsanierung lohnt sich, wenn die Leitungen jünger sind, einen Schutzleiter haben und nur Verteilung oder einzelne Räume schwach sind. Dann reichen eine neue Unterverteilung mit FI-Schutz und zusätzliche Stromkreise für Küche und Bad.

Komplett neu ist die bessere Wahl bei zweiadrigen Leitungen, Stoffisolierung oder wenn ohnehin Böden und Wände offen sind. Wer alte und neue Teile mischt, erweitert oft eine Anlage, die selbst nicht mehr dem Stand entspricht. Dann fallen die Kosten später ein zweites Mal an.

AusgangslageEmpfehlung
Leitungen mit Schutzleiter, alter SicherungskastenUnterverteilung mit FI tauschen, Anlage prüfen lassen
Schutzleiter fehlt, klassische Nullungbetroffene Stromkreise neu verlegen
Stoff- oder Aluminiumleitungenkomplette Erneuerung
Kernsanierung, Wände ohnehin offenkomplette Erneuerung mit Reserven

Wie läuft die Elektrosanierung im Altbau ab?

  1. Bestandsaufnahme: Die Fachkraft prüft Leitungen, Schutzleiter, Verteilung und Zählerplatz.
  2. Planung: Stromkreise, Steckdosen, Schalter und Leerrohre werden je Raum festgelegt, inklusive Reserven für Wärmepumpe, Wallbox oder Photovoltaik.
  3. Rohinstallation: Schlitze stemmen oder fräsen, Dosen setzen, Leitungen und Leerrohre verlegen.
  4. Verteilung: Unterverteilung mit Leitungsschutz, FI-Schutz und Überspannungsschutz setzen, bei Bedarf Zählerschrank anmelden.
  5. Putz und Feininstallation: Schlitze schließen, danach Schalter, Steckdosen und Leuchtenanschlüsse montieren.
  6. Prüfung und Übergabe: Messprotokoll, Stromlaufplan und Beschriftung der Verteilung. Mehr dazu im Beitrag zur Abnahme der Elektroinstallation.

Für ein Einfamilienhaus mit 120 bis 130 m² sind 5 bis 10 Arbeitstage der Elektriker realistisch, Putz und Maler kommen dazu. Im bewohnten Haus geht es abschnittsweise, Staub und stundenweise Abschaltungen lassen sich aber nicht vermeiden. In der Reihenfolge der Haussanierung gehört die Rohinstallation vor Estrich, Putz und Fliesen.

Wie lassen sich die Kosten senken?

  • Mit anderen Gewerken bündeln: Wenn Wände für Heizung oder Bad ohnehin offen sind, entfällt doppeltes Schlitzen und Verputzen.
  • Eigenleistung absprechen: Schlitze stemmen, Schutt entsorgen und Verputzen können Laien übernehmen, wenn der Betrieb vorher zustimmt. Anschließen und Prüfen bleibt Sache der Fachkraft.
  • Reserven gleich mitplanen: Leerrohre und freie Plätze in der Verteilung kosten beim Neubau der Anlage wenig, eine spätere Nachrüstung viel.
  • Steuerermäßigung nutzen: Für Handwerkerleistungen sinkt die Einkommensteuer auf Antrag um 20 Prozent der Arbeitskosten, höchstens um 1.200 Euro im Jahr (§ 35a Abs. 3 EStG). Das gilt nicht für öffentlich geförderte Maßnahmen. Ob ein Förderprogramm besser passt, zeigt der Überblick zur Sanierungsförderung 2026.

Steuerliche Angaben ersetzen keine Steuerberatung. Ob und in welcher Höhe die Ermäßigung greift, entscheidet das Finanzamt im Einzelfall.

Häufige Fragen zur Elektrik im Altbau

Muss ich die Elektrik im Altbau erneuern?

Nicht allein wegen des Alters. Pflicht wird es, wenn die Anlage wesentlich erweitert oder geändert wird oder eine Prüfung eine Gefahr feststellt. Dann muss der betroffene Teil nach heutigem Stand ausgeführt werden.

Was kostet eine neue Elektrik im Altbau pro Quadratmeter?

Für eine komplette Neuinstallation sind 2026 meist 80 bis 150 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche realistisch. Gehobene Ausstattung mit Netzwerk, Smart Home und Wallbox liegt darüber, Putz und Anstrich kommen dazu.

Wie lange dauert es, die Elektrik im Altbau zu erneuern?

Für ein Einfamilienhaus mit etwa 130 m² rechnen Elektriker mit 5 bis 10 Arbeitstagen. Hinzu kommen Putz- und Malerarbeiten, im bewohnten Haus verlängert sich alles durch das abschnittsweise Arbeiten.

Reicht ein neuer Sicherungskasten mit FI-Schalter?

Nur wenn die Leitungen einen Schutzleiter haben und in gutem Zustand sind. Bei zweiadrigen Leitungen oder klassischer Nullung schützt der FI-Schalter nicht wie vorgesehen, dann müssen die Stromkreise neu verlegt werden.

Darf ich die Elektrik im Altbau selbst erneuern?

Anschließen, Verteilung und Prüfung gehören zwingend in die Hand eines beim Netzbetreiber eingetragenen Fachbetriebs. Vorarbeiten wie Schlitze stemmen oder Verputzen sind nach Absprache mit dem Betrieb als Eigenleistung möglich.

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