Innentür kürzen: Anleitung ohne ausgerissene Kanten
Innentür kürzen: Anleitung ohne ausgerissene Kanten
Eine normale Innentür lässt sich unten um 20 bis 30 Millimeter kürzen, bei Vollspanplatten auch um 40 bis 50 Millimeter. Entscheidend ist der Holzrahmen im Türblatt: Ist er weg, ist die Tür hin.
Die kurze Antwort: Miss zuerst nach, wie hoch der umlaufende Rahmen im Türblatt ist, meist sind das 30 bis 60 Millimeter. Abnehmen darfst du höchstens so viel, dass 15 bis 20 Millimeter Rahmen stehen bleiben. Schneide mit Handkreissäge und Führungsschiene von der Sichtseite aus, nachdem du die Schnittlinie beidseitig mit Klebeband abgeklebt hast. Anschließend Kante versäubern, Umleimer aufbügeln und bei Röhrenspantüren einen Füllklotz einsetzen.
Wie viel darfst du überhaupt abschneiden?
Innentüren sehen von außen alle gleich aus, innen unterscheiden sie sich stark. Im Türblatt läuft ein umlaufender Holzrahmen, dazwischen liegt eine Füllung. Der Rahmen trägt die Bandtaschen, das Schloss und die Kante, an der du kürzt. Wie viel weg darf, entscheidet allein seine Höhe.
| Türtyp | Rahmenhöhe unten | Maximal kürzbar | Nacharbeit |
|---|---|---|---|
| Röhrenspan, Standard-Zimmertür | 30 bis 45 mm | 15 bis 25 mm | Füllklotz einleimen |
| Wabenkern, leichte Bautür | 25 bis 35 mm | 10 bis 20 mm | Füllklotz zwingend |
| Vollspan, schwere Tür | durchgehend massiv | 40 bis 50 mm | nur Kante versäubern |
| Massivholz, Rahmentür | Friesbreite 70 bis 120 mm | 20 bis 40 mm | Kante ölen oder lackieren |
| Glastür, Feuerschutztür | entfällt | gar nicht | Fachbetrieb oder Ersatz |
Bohre zur Prüfung an der Unterkante mit einem 6er Holzbohrer zwei bis drei Zentimeter tief. Kommen lange Späne, sitzt dort Rahmenholz. Kommt nach wenigen Millimetern Papier oder ein Hohlraum, ist der Rahmen dünner als gedacht und du musst konservativer rechnen.
Aufmaß nehmen: der häufigste Fehler passiert vor dem Sägen
Gekürzt wird fast immer, weil ein neuer Bodenbelag aufgebaut wird. Miss deshalb nicht die Tür, sondern den fertigen Boden. Zwischen Oberkante Belag und Unterkante Tür muss ein definierter Spalt bleiben.
- Bodenaufbau addieren: Trittschalldämmung 2 bis 5 mm, Vinyl 4 bis 6 mm, Laminat 7 bis 12 mm, Parkett 13 bis 22 mm, Fliese mit Kleber 12 bis 20 mm.
- Luftspalt festlegen: 5 bis 8 Millimeter in normalen Räumen, 7 bis 10 Millimeter zu Bad, WC und Küche, damit Luft nachströmen kann.
- Türdichtung berücksichtigen: Absenkdichtungen oder aufgeklebte Bodendichtungen brauchen zusätzlich 8 bis 15 Millimeter Weg.
- An drei Stellen messen: links, Mitte, rechts. Altbauböden fallen quer durch die Öffnung oft um 5 bis 15 Millimeter ab.
- Zwei Millimeter Reserve lassen. Nachschleifen geht immer, Anleimen fast nie.
Schreib dir das Endmaß groß auf einen Zettel und klebe ihn an die Tür. Klingt banal, verhindert aber den Klassiker: Bei drei gleich aussehenden Türen wird die Küchentür auf das Maß der Badtür gekürzt. Nummeriere Türen und Zargen mit Kreppband, sobald du sie aushängst.
Bei Bädern ohne Fenster ist der Spalt kein Schönheitsfehler, sondern die Nachströmöffnung für die Abluft. Warum das wichtig ist, liest du unter Bad ohne Fenster lüften.
Welches Werkzeug verhindert ausgerissene Kanten?
Die Beschichtung einer Innentür ist eine dünne Folie oder ein CPL-Belag. Sie reißt aus, sobald ein Sägezahn sie von unten nach oben durchstößt. Alles, was du gegen Ausrisse tust, dreht diese Richtung um oder stützt die Fläche ab.
- Handkreissäge mit Führungsschiene ist die erste Wahl. Ein Blatt mit 48 bis 60 Wechselzähnen läuft sauber, ein grobes Baublatt mit 24 Zähnen reißt.
- Klebeband auf beiden Seiten entlang der Schnittlinie, Kreppband oder Malerband. Es hält die Beschichtung nieder und du kannst den Riss darauf anzeichnen.
- Schnitttiefe knapp einstellen, etwa 2 Millimeter mehr als die Türdicke. Je flacher das Blatt eintaucht, desto kleiner die Ausrissgefahr.
- Sichtseite nach oben bei der Tauchsäge mit Splitterschutz, bei einfachen Handkreissägen dagegen nach unten, weil dort die Zähne in das Material laufen.
- Tür flach auflegen auf zwei Böcke und Styroporplatten, nie über die Kante hängen lassen.
Ohne Führungsschiene kannst du eine gerade Latte mit Schraubzwingen aufspannen. Miss dabei den Abstand zwischen Sägeblatt und Grundplattenkante vorher zweimal, dieser Versatz ist die häufigste Fehlerquelle.
Ein Probeschnitt lohnt sich. Nimm ein Reststück Spanplatte mit ähnlicher Beschichtung, schneide 20 Zentimeter ab und schau dir die Kante an. Reißt sie, wechsel das Sägeblatt oder dreh die Tür um. Diese fünf Minuten kosten weniger als eine ruinierte Tür für 200 Euro.
Kante versäubern und Umleimer wieder ankleben
Nach dem Schnitt brichst du die Kante mit 120er Schleifpapier leicht, nur ein bis zwei Züge. Danach kommt der Umleimer, im Baumarkt als Kantenband für 5 bis 12 Euro je Rolle erhältlich.
- Schmelzkleber-Kantenband mit dem Bügeleisen auf mittlerer Stufe aufbügeln, etwa 15 Sekunden je 20 Zentimeter.
- Mit einem Holzklotz sofort andrücken, solange der Kleber warm ist.
- Überstand mit einem Kantenschaber oder scharfem Cuttermesser abziehen, immer in Richtung Türfläche.
- Kanten mit einem Schleifklotz brechen, damit sie sich nicht am Boden aufstellen.
Bei Röhrenspantüren fehlt nach dem Kürzen der Rahmen an der Unterkante. Dann schneidest du eine Leiste aus Fichte oder Kiefer passend zur Türdicke und Hohlraumhöhe, gibst Weißleim auf beide Flächen und schiebst sie ein. Zwei Schraubzwingen mit Zulagen halten sie, bis der Leim nach etwa 45 Minuten fest ist. Erst danach wird der Umleimer aufgezogen.
Wann Kürzen nicht mehr geht
Sobald du mehr abnehmen müsstest, als der Rahmen erlaubt, ist die Tür der falsche Ansatzpunkt. Dann wird die Zarge gekürzt oder ausgetauscht, was mehr Aufwand bedeutet, aber sauber bleibt. Typisch ist das bei einem Aufbau von 40 Millimetern und mehr, etwa wenn Fliesen auf Fliesen kommen.
- Zarge kürzen geht bei Holzzargen im ausgebauten Zustand, kostet beim Schreiner meist 150 bis 300 Euro je Öffnung inklusive Ein- und Ausbau.
- Neue Tür mit Sondermaß liegt je nach Ausführung bei 180 bis 500 Euro und ist oft günstiger als eine gerettete alte Tür.
- Glastüren lassen sich nicht kürzen. Das Glas ist vorgespannt, jeder Schnitt zerstört es.
- Feuerschutz- und Rauchschutztüren dürfen nicht bearbeitet werden. Jede Änderung am Türblatt kostet die Zulassung, hier entscheidet der Hersteller oder ein zugelassener Fachbetrieb.
Was ein kompletter Türentausch kostet, findest du in unserem Beitrag Innentüren austauschen Kosten.
Häufige Fragen
Kann ich eine Innentür mit der Stichsäge kürzen?
Möglich, aber riskant. Das Blatt verläuft im dicken Türblatt leicht und arbeitet von unten nach oben, was Ausrisse fördert. Wenn es sein muss, nutze ein sauberes Blatt und eine aufgespannte Führungslatte.
Muss ich die Tür zum Kürzen aushängen?
Ja. Nur liegend auf zwei Böcken lässt sich sauber schneiden und der Füllklotz einleimen. Aushängen dauert bei modernen Bändern zwei Minuten, alte Türen brauchen manchmal einen leichten Schlag von unten.
Wie groß darf der Spalt unter der Tür maximal sein?
Optisch stören ab etwa 15 Millimetern, funktional ist mehr kein Problem. Bei Räumen mit Abluft ist ein größerer Spalt sogar erwünscht, sonst zieht die Lüftung keine Luft nach.
Was kostet das Kürzen beim Schreiner?
Rechne mit 60 bis 120 Euro je Tür inklusive Umleimer und Füllklotz. Kommt der Betrieb ins Haus, addierst du Anfahrt und Aus- und Einbau von rund 40 bis 80 Euro je Tür.
Kann ich eine gekürzte Tür später wieder verlängern?
Nein, dafür gibt es keine haltbare Lösung. Angesetzte Leisten brechen an der Klebefuge. Wer den Boden später zurückbaut, braucht eine neue Tür oder eine tiefer gesetzte Zarge.
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