Bodengleiche Dusche nachträglich einbauen: Aufbauhöhe, Kosten, Grenzen

August 11, 2026
Bodengleiche Dusche mit Glasabtrennung in einem hellen Bad
Bodengleiche Dusche mit Glasabtrennung in einem hellen Bad

Die bodengleiche Dusche ist der meistgewünschte Umbau im Bad – und der, bei dem am häufigsten mitten in der Planung ein Nein kommt. Der Grund steckt nicht im Budget, sondern in wenigen Zentimetern Aufbauhöhe unter deinem heutigen Fliesenboden. Ob dein Bad die hergibt, kannst du weitgehend vorab klären, bevor der erste Betrieb ins Haus kommt.

Worauf es ankommt: die Aufbauhöhe

Das Wasser muss vom Duschplatz weg und ins Fallrohr. Dafür braucht der Ablauf Bauhöhe plus Gefälle im Rohr, und beides muss im Fußbodenaufbau verschwinden. Je nach Technik brauchst du:

Lösungnötige Aufbauhöhetypisch bei
Punktablauf, Standardablaufgarniturca. 15 bis 18 cmNeubau, kompletter Estrichaufbau
Linienentwässerung / Duschrinne an der Wandca. 12 bis 15 cmSanierung mit neuem Estrich
Flache Ablaufgarnitur, Extra-Flachsystemca. 7 bis 9 cmAltbau mit wenig Reserve
Wandablauf (Ablauf in der Vorwand)ca. 6 bis 8 cmletzte Option bei sehr flachem Aufbau

Der Wandablauf ist der Trick für schwierige Fälle: Das Wasser läuft nicht nach unten, sondern seitlich in eine Rinne an der Wand und von dort in die Vorwandinstallation. Damit lassen sich Bäder umbauen, bei denen ein Punktablauf technisch ausgeschlossen ist.

So prüfst du deinen Boden selbst

  1. Schau dir die Türschwelle an: Der Höhenunterschied zwischen Bad-Fliese und Flurboden zeigt grob, wie dick der Aufbau ist.
  2. Wirf einen Blick in den Keller oder auf die Rohbaupläne. In Geschossdecken aus Beton ist meist ein Aufbau aus Dämmung und Estrich von 10 bis 16 cm vorhanden, in Altbauten mit Holzbalkendecke fehlt diese Reserve oft völlig.
  3. Finde heraus, wo das Fallrohr steht. Je weiter dein Duschplatz davon entfernt ist, desto mehr Gefälle frisst die Leitung – pro Meter Rohr etwa 1 bis 2 cm.
  4. Klär die Deckenkonstruktion. In einer Holzbalkendecke darf nicht beliebig ausgeschnitten werden, das ist Statik. Hier braucht es die Einschätzung eines Fachplaners.

Ein Betrieb, der ohne Blick auf den Bodenaufbau eine bodengleiche Dusche zusagt, plant ins Blaue. Die seriöse Antwort lautet fast immer: erst öffnen, dann festlegen.

Was der Umbau kostet

PostenSpanne
Demontage alte Wanne oder Duschtasse, Entsorgung250 bis 600 Euro
Ablauf, Rinne, Dichtset, Material400 bis 1.200 Euro
Estrich anpassen, Abdichtung im Verbund600 bis 1.500 Euro
Fliesenarbeiten Duschbereich und Wände800 bis 2.500 Euro
Glasabtrennung nach Maß500 bis 1.500 Euro
Armatur und Montage300 bis 900 Euro

Unter dem Strich landen die meisten Umbauten bei 3.000 bis 7.000 Euro. Deutlich teurer wird es, wenn Leitungen verlegt oder die Decke geöffnet werden muss. Deutlich günstiger nur dann, wenn die Dusche exakt an ihrem alten Platz bleibt und der Aufbau schon passt.

Zuschüsse, wenn barrierefrei umgebaut wird

Eine bodengleiche Dusche gilt als Maßnahme zur Barrierereduzierung und ist damit förderfähig. Zwei Wege sind üblich:

  • Pflegekasse: Liegt ein anerkannter Pflegegrad vor, gibt es einen Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Der Antrag muss vor dem Umbau gestellt werden und wird pro Maßnahme gewährt.
  • KfW-Programm „Altersgerecht Umbauen“: als zinsgünstiges Darlehen; der Investitionszuschuss ist regelmäßig ausgeschöpft und wird nur zeitweise wieder geöffnet. Auch hier gilt: Antrag vor Auftragsvergabe.

Prüf zusätzlich Landesprogramme und kommunale Töpfe, die je nach Bundesland unterschiedlich ausgestattet sind. Und beachte, dass für den Zuschuss meist technische Mindestmaße gelten – etwa eine nutzbare Duschfläche von 120 mal 120 Zentimetern und eine schwellenfreie Ausführung. Wer knapp darunter plant, verliert die Förderung für ein paar Zentimeter.

Die Fehler, die später auffallen

  • Zu wenig Gefälle: Unter zwei Prozent bleibt Wasser stehen und es bilden sich Kalkränder. Die Fläche muss sauber zum Ablauf hin abgezogen sein.
  • Abdichtung gespart: Fliesen und Fugen sind nicht wasserdicht. Ohne Verbundabdichtung unter den Fliesen wandert Feuchte in den Estrich und irgendwann zum Nachbarn.
  • Zu kleine Fläche: Unter 100 mal 100 Zentimetern spritzt Wasser über die Abtrennung hinaus, egal wie gut geplant wurde.
  • Rutschklasse ignoriert: Im Duschbereich gehören Fliesen mit erhöhter Rutschhemmung, besonders wenn barrierefrei gebaut wird. Großformat wirkt edel, kleine Formate mit mehr Fugenanteil geben mehr Halt.
  • Kein Wartungszugang: Der Ablauf muss zum Reinigen erreichbar bleiben. Ein einbetonierter Geruchsverschluss ohne entnehmbaren Einsatz ist ein Problem, sobald sich Haare sammeln.

Wenn du zur Miete wohnst, brauchst du für den Umbau die Zustimmung des Vermieters, weil in die Bausubstanz eingegriffen wird. Bei baulichen Maßnahmen zur Barrierefreiheit hast du allerdings einen gesetzlichen Anspruch auf Erlaubnis, wenn dein Interesse überwiegt – der Vermieter kann dann aber eine Sicherheit für den späteren Rückbau verlangen. Hol dir die Zustimmung schriftlich, bevor irgendjemand die Fliesen abschlägt.

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