Wasserschaden trocknen: Wie lange dauert die Trocknung?
Wasserschaden trocknen: Wie lange dauert die Trocknung?
Eine technische Trocknung nach einem Wasserschaden dauert in den meisten Wohnungen zwei bis vier Wochen. Nur oberflächlich nasse Wände sind nach wenigen Tagen fertig, nasse Dämmschichten unter dem Estrich brauchen deutlich länger.
Die kurze Antwort: Ist nur der Putz oder der Bodenbelag nass geworden, reichen drei bis sieben Tage. Ist Wasser in den Estrichaufbau gelaufen, rechnest du mit zwei bis vier Wochen Dämmschichttrocknung, bei großen Schäden auch mit sechs Wochen. Verbindlich ist nicht der Kalender, sondern die Messung der Restfeuchte durch die Trocknungsfirma. Sie muss an mehreren Punkten zwei Tage in Folge stabil trockene Werte zeigen.
Wie lange dauert die Trocknung je nach Schadensart?
Die Dauer hängt fast nur davon ab, wie tief das Wasser gekommen ist. Ein umgekipptes Aquarium auf Fliesen ist etwas völlig anderes als ein Rohrbruch, der zwei Tage unbemerkt unter den Estrich gelaufen ist.
| Schadensbild | Verfahren | Dauer | Geräte je Raum |
|---|---|---|---|
| Nasser Putz, nasse Tapete | Kondenstrocknung plus Ventilator | 3 bis 7 Tage | 1 Trockner, 1 Ventilator |
| Nasser Estrich, keine Dämmung darunter | Kondenstrocknung | 7 bis 14 Tage | 1 bis 2 Trockner |
| Wasser in der Dämmschicht | Dämmschichttrocknung mit Verdichter | 14 bis 28 Tage | 1 Verdichter, 1 Trockner |
| Großer Leitungsschaden, mehrere Räume | Adsorptions- plus Dämmschichttrocknung | 4 bis 6 Wochen | mehrere Geräte, oft Ringleitung |
| Nasses Mauerwerk im Keller | Adsorptionstrocknung | 4 bis 8 Wochen | 1 Adsorber je Bereich |
Zwei Dinge verlängern jede Trocknung: schwere, dichte Baustoffe und geschlossene Aufbauten. Ein Zementestrich auf Perimeterdämmung gibt sein Wasser langsamer ab als eine Gipskartonwand. Und je später die Trocknung startet, desto tiefer ist das Wasser gewandert.
Kondens-, Adsorptions- oder Dämmschichttrocknung: was wird eingesetzt?
Die Trocknungsfirma wählt das Verfahren nach Bauteil und Temperatur. Du solltest die drei Begriffe kennen, weil sie auf jedem Angebot und jeder Versicherungsabrechnung stehen.
- Kondenstrocknung: Ein Gerät zieht Raumluft an, kühlt sie ab, das Wasser kondensiert in einen Behälter. Arbeitet gut zwischen 15 und 30 Grad, ist der Standard in beheizten Wohnräumen.
- Adsorptionstrocknung: Ein Trockenmittelrad entzieht der Luft die Feuchte, die Abluft wird nach draußen geführt. Funktioniert auch bei niedrigen Temperaturen, deshalb der Standard in Kellern und Rohbauten.
- Dämmschichttrocknung: Über Kernbohrungen im Estrich wird Luft in die Dämmschicht gedrückt oder abgesaugt. Nur so kommt Wasser aus dem Aufbau, ohne dass der Boden herausgerissen wird.
Beim Überdruckverfahren wird trockene Luft in die Dämmschicht gepresst und entweicht an den Randfugen. Das ist günstiger, verteilt aber auch Staub und Keime im Raum. Das Unterdruckverfahren saugt die Luft ab und führt sie über einen Filter. Bei einem Schaden mit Abwasser ist Unterdruck Pflicht.
Wann ist trocken wirklich trocken?
Die Firma misst mit mehreren Verfahren. Kapazitive Messgeräte prüfen zerstörungsfrei bis wenige Zentimeter tief und dienen der groben Ortung. Für den Nachweis werden Widerstandsmessungen über eingesetzte Elektroden oder eine Darrprobe im Labor genutzt, bei Estrich auch die CM-Messung.
Als trocken gilt ein Bauteil erst, wenn die Werte an allen Messpunkten unter dem Zielwert liegen und über zwei bis drei Tage nicht mehr steigen. Genau dieser Nachtest wird oft weggelassen, weil die Geräte Miete kosten. Bestehe darauf.
- Lass dir das Messprotokoll mit Datum, Messpunkten und Werten aushändigen.
- Prüfe, ob dieselben Punkte am Anfang und am Ende gemessen wurden.
- Verlange eine Abschlussmessung nach dem Abbau der Geräte, frühestens zwei Tage später.
- Erst danach werden Estrich verschlossen, Bohrkerne verfüllt und Wände neu verputzt.
Was kostet der Strom und wer zahlt ihn?
Die Geräte laufen rund um die Uhr. Ein Kondenstrockner braucht 0,3 bis 0,8 kW, ein Seitenkanalverdichter für die Dämmschichttrocknung 1,0 bis 2,2 kW. Bei 30 Cent je Kilowattstunde ergibt das grob 70 bis 250 Euro pro Gerät und Monat.
Diese Kosten trägt die Versicherung, die auch den Schaden reguliert, in der Regel die Gebäudeversicherung. Du musst sie aber belegen können. Deshalb gehört zu jedem Gerät ein Zwischenzähler.
So sicherst du dir die Erstattung: Zählerstand des Zwischenzählers bei Aufbau und bei Abbau fotografieren, dazu den Hauptzähler notieren. Rechne mit deinem aktuellen Arbeitspreis aus dem Stromvertrag und reiche die Aufstellung zusammen mit der Kopie der Vertragsseite ein. In der Mietwohnung stellst du die Aufstellung dem Vermieter, nicht dem Versicherer.
Kannst du während der Trocknung in der Wohnung bleiben?
Meistens ja, angenehm ist es nicht. Die Geräte erzeugen 50 bis 65 Dezibel, ungefähr wie ein Staubsauger, der nie ausgeht. Dazu heizen sie den Raum um 3 bis 6 Grad auf, im Sommer wird das schnell unerträglich.
Ein Abschalten in der Nacht verlängert die Trocknung um Tage und ist deshalb nicht vorgesehen. Wenn ein Schlafzimmer betroffen ist, lohnt die Frage nach einer Ersatzunterkunft, die viele Gebäude- und Hausratpolicen abdecken.
Mieter dürfen die Miete für den Zeitraum mindern. Üblich sind 10 bis 30 Prozent, bei einem unbenutzbaren Raum auch mehr. Melde den Schaden schriftlich beim Vermieter, kündige die Minderung an und zahle sie unter Vorbehalt, wenn ihr euch nicht einig seid.
Woran erkennst du eine zu früh beendete Trocknung?
Wird abgebaut, bevor die Dämmschicht wirklich trocken ist, siehst du davon zunächst nichts. Die Restfeuchte sitzt unter dem Estrich und wandert langsam in Wände und Estrichrand.
- Muffiger, erdiger Geruch, vor allem morgens und in Bodennähe. Das ist das häufigste erste Zeichen.
- Dunkle Ränder oder Ausblühungen am Sockel und an den Übergängen zur Wand.
- Silberfische, Kellerasseln oder ungewöhnlich viele Fliegen an einer Stelle.
- Sockelleisten, die sich wellen, oder Laminatfugen, die sich nach Wochen wieder öffnen.
- Fußkalte Stellen im Raum, die vorher nicht da waren.
Bei einem dieser Zeichen meldest du dich beim Versicherer und verlangst eine Nachmessung. Solange der Schaden gemeldet und nicht abgeschlossen ist, sind Folgeschäden mitversichert. Wer erst nach zwei Jahren mit Schimmel kommt, hat es deutlich schwerer.
Häufige Fragen
Darf ich die Trocknungsfirma selbst aussuchen?
Ja, du hast freie Wahl. Melde den Schaden aber zuerst beim Versicherer, denn viele arbeiten mit festen Partnerfirmen und übernehmen sonst nur die üblichen Sätze der Region.
Kann ich mit eigenen Bautrocknern aus dem Baumarkt trocknen?
Für kleine Oberflächenschäden ja. Sobald Wasser im Estrichaufbau steht, hilft ein Raumtrockner nicht, weil er die eingeschlossene Dämmschicht überhaupt nicht erreicht.
Was passiert mit den Bohrlöchern im Estrich?
Die Kernbohrungen haben 5 bis 8 Zentimeter Durchmesser und werden nach der Trocknung mit Reparaturmörtel verschlossen. Unter Fliesen wird die Stelle danach neu verlegt, unter Laminat verschwindet sie.
Wie schnell muss die Trocknung starten?
Innerhalb von 24 bis 48 Stunden. Danach beginnt Schimmel zu wachsen, und das Wasser hat sich weiter in Dämmung und Wandfuß verteilt. Jeder verlorene Tag verlängert die Trocknung.
Muss der Bodenbelag immer raus?
Nicht immer. Fliesen bleiben meist liegen, weil die Trocknung über Bohrungen läuft. Laminat, Parkett und Teppich werden fast immer entfernt, weil sie die Feuchte halten.
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