Algen an der Fassade entfernen und dauerhaft fernhalten

August 31, 2026
Dach & Fassade, Außenputz

Algen an der Fassade entfernen und dauerhaft fernhalten

Algen an der Fassade sind ein Feuchteproblem, kein Schmutzproblem. Wer nur abwäscht, hat den grünen Belag nach zwei bis vier Jahren wieder, weil die Ursache unverändert bleibt.

Die kurze Antwort: Reinige mechanisch mit weicher Bürste und Niederdruck bis etwa 30 bar, niemals mit vollem Hochdruck. Behandle die Fläche danach mit einem Algenentferner, lass ihn 24 bis 48 Stunden einwirken und spüle nur ab, wenn der Hersteller es verlangt. Danach folgt der eigentliche Schutz: Anstrich mit Silikat- oder Siliconharzfarbe und das Abstellen der baulichen Ursachen. Ohne trockenere Oberfläche kommt das Grün zurück.

max. 30 bar
Druck, den ein Oberputz verträgt
24 bis 48 h
übliche Einwirkzeit von Algenentferner
8 bis 20 €
Reinigung durch die Fachfirma je m²
5 bis 8 Jahre
Wirkdauer eines Filmschutzes im Anstrich

Warum gedämmte Fassaden stärker vergrünen

Eine gedämmte Außenwand lässt kaum noch Wärme von innen nach außen. Genau das ist das Ziel der Dämmung, es verändert aber das Klima an der Oberfläche. Der Putz wird nachts nicht mehr von hinten gewärmt und kühlt durch Abstrahlung gegen den klaren Nachthimmel unter die Lufttemperatur ab.

Sinkt die Oberfläche unter den Taupunkt, schlägt sich Wasser nieder. Auf einer gedämmten Fassade bleibt dieser Tauwasserfilm morgens deutlich länger stehen als auf einer ungedämmten Wand, oft mehrere Stunden. Algen brauchen nichts weiter als Feuchtigkeit, Licht und etwas Staub. Diese Bedingungen liefert der Taufilm zuverlässig.

Am stärksten betroffen sind Nord- und Westseiten, verschattete Flächen und der Bereich unter Fenstersimsen sowie neben Fallrohren. Das ist kein Baumangel und kein Zeichen für eine schlechte Dämmung, sondern die physikalische Kehrseite einer funktionierenden Dämmschicht. Was eine Dämmung kostet und bringt, steht im Beitrag zu WDVS Kosten pro qm.

Algen, Moose oder Flechten? Der Unterschied entscheidet

BewuchsAussehenGefahr für den PutzBehandlung
Grünalgenflacher grüner bis grauer Filmoptisch, kaum baulichbürsten, Algenentferner
Moosedichte grüne Polster, oft in Fugenhalten Feuchte, sprengen Risse auftrocken abnehmen, Fugen prüfen
Flechtenflache graue, gelbe oder orange Krustendringen mit Hyphen in den Putzchemisch lösen, nicht abkratzen
Schwärzepilzepunktförmige dunkle Fleckenoptisch, Hinweis auf DauerfeuchteUrsache suchen, dann behandeln

Der Unterschied ist praktisch wichtig. Algen sitzen obenauf und lassen sich mechanisch weitgehend entfernen. Flechten verankern sich mit feinen Fäden im Putzgefüge. Wer sie abkratzt, reißt Putzkörner mit heraus und schafft eine raue Oberfläche, auf der sich neuer Bewuchs noch besser hält.

Moos in Fugen von Klinker oder Naturstein ist ein Hinweis auf schadhafte Fugen. Dort hilft eine Reinigung nur kurz, wenn die Fuge nicht saniert wird.

Mechanisch reinigen, ohne den Putz zu verlieren

Der häufigste Fehler ist der Hochdruckreiniger auf voller Stufe. Ein Oberputz mit einer Körnung von 2 Millimetern verliert bei 120 bar seine oberste Schicht. Das sieht direkt nach der Arbeit sauber aus, macht die Fläche aber rauer und saugfähiger. Nach zwei Jahren ist der Bewuchs dichter als vorher, und bei einem Wärmedämmverbundsystem kann Wasser hinter den Putz geraten.

  1. Trocken vorarbeiten. Moospolster und dicke Beläge mit einer weichen bis mittelharten Kunststoffbürste abnehmen, von oben nach unten.
  2. Wasser sparsam einsetzen. Niederdruck bis etwa 30 bar, Flachstrahldüse mit mindestens 25 Grad, Abstand 30 bis 40 Zentimeter, flacher Winkel zur Wand.
  3. Fenster, Türen und Sockel abdecken. Folie und Klebeband kosten wenig und ersparen viel Nacharbeit.
  4. Trocknen lassen. Der Algenentferner wirkt nur auf abgetrockneter Oberfläche richtig, plane einen Tag Pause ein.
  5. Zustand prüfen. Zeigen sich Risse oder hohl klingende Stellen, gehört das vor jedem Anstrich in Ordnung gebracht, siehe Beitrag zum Außenputz ausbessern.

Algenentferner richtig anwenden

Handelsübliche Mittel arbeiten meist mit quaternären Ammoniumverbindungen. Sie zerstören die Zellwände von Algen und Flechten und wirken über Stunden nach. Es sind Biozide, also Produkte mit Umweltwirkung, kein normaler Reiniger.

  • Konzentrat und Verbrauch: je nach Produkt 1 zu 5 bis 1 zu 10 verdünnt, Verbrauch etwa 0,1 bis 0,2 Liter Gebrauchslösung je Quadratmeter. Material kostet 1,50 bis 4 Euro je Quadratmeter.
  • Auftrag: mit Drucksprüher oder Quast satt aufbringen, von unten nach oben arbeiten, damit keine Läufer entstehen.
  • Einwirkzeit: 24 bis 48 Stunden. Viele Produkte werden nicht abgespült, die Reste verwittern. Halte dich an das Datenblatt.
  • Wetter: trocken, bewölkt, 10 bis 25 Grad. Kein Regen in den nächsten 24 Stunden, keine pralle Sonne.
  • Regenwasser abkoppeln: Zisterne und Regentonne abklemmen, Abläufe zu Teich oder Gemüsebeet abdecken. Biozide sind gewässergefährdend.
  • Schutz: Handschuhe, Schutzbrille, langärmelige Kleidung. Pflanzen am Sockel mit Folie abdecken und vorher wässern.

Bei starkem Befall ist ein zweiter Durchgang nach zwei bis drei Wochen wirksamer als eine höhere Konzentration. Was abgestorben ist, verwittert und wäscht sich über die folgenden Monate von selbst ab.

Vorbeugen mit dem richtigen Anstrich

Der Anstrich entscheidet, wie lange die Fassade sauber bleibt. Zwei Systeme haben sich bewährt, mit unterschiedlicher Wirkweise.

FarbePreis je m² mit ArbeitWirkprinzipGrenze
Silikatfarbe28 bis 45 Eurohohe Alkalität, mineralische Verkieselungnur auf mineralischem Untergrund
Siliconharzfarbe30 bis 50 Eurowasserabweisend und dampfdurchlässigPerleffekt lässt mit den Jahren nach
Dispersionsfarbe22 bis 38 Eurofilmbildend, günstigsaugt Feuchte, vergrünt schneller
Anstrich mit FilmschutzAufpreis 2 bis 5 EuroBiozide im FarbfilmWirkung endet nach 5 bis 8 Jahren

Filmschutz klingt nach Dauerlösung, ist aber ein Zeitkonto. Die Wirkstoffe werden über die Jahre vom Regen ausgewaschen und landen im Boden. Nach fünf bis acht Jahren beginnt der Bewuchs wieder. Sinnvoll ist Filmschutz auf stark verschatteten Nordseiten, nicht als Ersatz für bauliche Verbesserungen.

Auf ungedämmten Fassaden bringt schon der Wechsel zu einer diffusionsoffenen mineralischen Farbe viel. Wie die Arbeit abläuft und was sie kostet, steht im Beitrag zu Fassade streichen.

Die baulichen Ursachen abstellen

Jede Maßnahme, die die Wand schneller trocknen lässt, wirkt länger als jeder Anstrich. Diese fünf Punkte bringen am meisten.

  • Dachüberstand: 30 bis 50 Zentimeter halten Schlagregen von der oberen Fassade fern. Ein nachträglich verlängerter Ortgang ist bei ohnehin anstehender Dacharbeit ein kleiner Posten.
  • Spritzwasser am Sockel: Regen prallt vom Boden zurück und benetzt die Wand bis etwa 30 Zentimeter Höhe. Ein Kiesstreifen von 30 bis 40 Zentimetern Breite reduziert das deutlich.
  • Bewuchs zurückschneiden: Sträucher und Hecken mindestens 50 Zentimeter Abstand zur Wand. Sie halten Feuchte und nehmen der Fläche Sonne und Wind.
  • Rinne und Fallrohr: Ein grüner Streifen unter einer Muffe kommt vom Wasser, nicht vom Zufall. Prüf die Entwässerung, siehe Beitrag zu Dachrinne reinigen.
  • Fensterbänke: Ausreichender Überstand mit Tropfkante verhindert die typischen grünen Fahnen unter dem Sims. Fehlt die Tropfkante, hilft ein nachgerüstetes Profil.

Selbst machen oder Fachfirma beauftragen?

Bis zur Höhe des Erdgeschosses ist die Reinigung eine machbare Wochenendarbeit. Material für 60 Quadratmeter kostet 90 bis 250 Euro, dazu kommt ein Drucksprüher für 25 bis 60 Euro. Der Zeitaufwand liegt bei sechs bis zehn Stunden inklusive Abdecken.

Ab dem ersten Obergeschoss brauchst du ein Gerüst. Das kostet 8 bis 15 Euro je Quadratmeter Gerüstfläche für die ersten Wochen, dazu Standgeld. Bei einem Einfamilienhaus mit 180 Quadratmetern Fassade landest du schnell bei 1.500 bis 2.700 Euro allein für das Gerüst. Steht es einmal, lohnt es sich, Reinigung und Anstrich in einem Zug zu erledigen.

Eine Fachfirma berechnet für die reine Reinigung 8 bis 20 Euro je Quadratmeter, für Reinigung samt zweifachem Anstrich 35 bis 60 Euro. Lass Gerüst, Reinigung, Grundierung und Anstrich getrennt ausweisen. Nur dann kannst du zwei Angebote wirklich vergleichen.

Häufige Fragen

Schaden Algen der Fassade wirklich?

Grünalgen sind vor allem ein optisches Problem. Moose und Flechten dagegen halten Feuchte an der Oberfläche und arbeiten sich in Risse und Fugen hinein, was den Putz langfristig schädigt.

Hilft Essig oder Chlorreiniger gegen Algen?

Nein, davon ist abzuraten. Essigsäure greift mineralische Putze an, Chlor bleicht nur und wirkt nicht in die Tiefe. Beides belastet zudem Boden und Regenwasser unnötig stark.

Wann ist die beste Jahreszeit für die Behandlung?

Spätes Frühjahr bis früher Herbst. Die Fassade trocknet zwischen den Arbeitsschritten schnell ab, und die Temperaturen liegen im Bereich von 10 bis 25 Grad, den die Produkte verlangen.

Muss ich nach dem Algenentferner streichen?

Nicht zwingend. Ohne neuen Anstrich hält das Ergebnis aber nur zwei bis vier Jahre. Mit Silikat- oder Siliconharzfarbe verlängert sich der Abstand bis zur nächsten Behandlung deutlich.

Kann ich einen Hochdruckreiniger benutzen, wenn ich vorsichtig bin?

Nur mit reduziertem Druck bis etwa 30 bar, Flachstrahldüse und großem Abstand. Auf einem Wärmedämmverbundsystem ist die Gefahr hoch, dass Wasser hinter den Putz gelangt.

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