Perimeterdämmung: Kosten, Aufbau und ob sich der Aushub lohnt
Perimeterdämmung: Kosten, Aufbau und ob sich der Aushub lohnt
Perimeterdämmung kostet am Bestandsgebäude 150 bis 300 Euro je Quadratmeter Kellerwand, wenn Aushub, Abdichtung und Dämmung zusammen gerechnet werden. Die Dämmplatte selbst macht davon nur 20 bis 45 Euro aus, der Rest ist Erdarbeit und Abdichtung.
Die kurze Antwort: Perimeterdämmung ist die druckfeste, wasserunempfindliche Dämmung an erdberührten Bauteilen, also an der Kellerwand und unter der Bodenplatte. Beim Neubau ist sie günstig, weil der Graben ohnehin offen ist. Im Bestand kostet der Aushub rund um ein Einfamilienhaus 8.000 bis 18.000 Euro und damit oft mehr als das Dämmmaterial. Für ein Haus mit 110 Quadratmetern Kellerwandfläche landest du bei 18.000 bis 33.000 Euro. Ist der Keller unbeheizt, ist die Kellerdeckendämmung für 30 bis 70 Euro je Quadratmeter die klar bessere Investition.
Was Perimeterdämmung genau ist
Der Begriff steht für die Dämmung außen an Bauteilen, die dauerhaft Kontakt zum Erdreich haben. Also die Kellerwand unterhalb der Geländeoberkante und die Fläche unter der Bodenplatte. Sie liegt außerhalb der Abdichtung und schützt diese zusätzlich mechanisch.
Der Dämmstoff steht deshalb unter besonderen Anforderungen. Er muss den Erddruck aufnehmen, darf über Jahrzehnte kein Wasser aufsaugen und muss frostbeständig sein. Normale Fassadendämmung aus weichem Polystyrol oder Mineralwolle scheidet damit aus.
Verwechsle die Perimeterdämmung nicht mit der Sockeldämmung. Der Sockel ist der sichtbare Streifen über dem Erdreich und wird meist im Zug einer Fassadendämmung mit erledigt. Perimeterdämmung beginnt darunter.
Der Aushub ist der teuerste Posten
Um die Kellerwand freizulegen, braucht der Bagger einen Arbeitsraum von 60 bis 80 Zentimetern Breite entlang der gesamten Außenwand, bis auf Höhe der Fundamentunterkante. Bei einem Haus mit 40 Metern Umfang und 2,20 Metern Kellertiefe bewegst du damit rund 100 Kubikmeter Erde.
| Position | Preis | Anmerkung |
|---|---|---|
| Aushub mit Bagger | 18 bis 35 Euro je m³ | abhängig von Zugänglichkeit und Bodenklasse |
| Erde zwischenlagern und wieder verfüllen | 10 bis 20 Euro je m³ | nur wenn Platz auf dem Grundstück ist |
| Abfuhr und Entsorgung | 25 bis 60 Euro je m³ | bei belastetem Boden deutlich mehr |
| Handschachtung an engen Stellen | 60 bis 110 Euro je m³ | Terrasse, Grenzbebauung, Leitungen |
| Wand reinigen und alten Anstrich entfernen | 10 bis 25 Euro je m² | Hochdruckreiniger oder Sandstrahlen |
| Neue Abdichtung | 25 bis 60 Euro je m² | Bitumendickbeschichtung, zweilagig |
| Dränung mit Kies und Rohr | 35 bis 70 Euro je lfd. Meter | nur sinnvoll bei ableitbarem Wasser |
| Noppenbahn als Schutzlage | 4 bis 9 Euro je m² | gehört mit Abschlussprofil oben ab |
Rechne die Positionen für dein Haus einzeln durch, bevor du ein Pauschalangebot annimmst. Ein Angebot über eine runde Summe je Quadratmeter verdeckt genau die Posten, die am Ende überziehen: Handschachtung, Entsorgung und alles, was am Haus im Weg steht.
Welche Dämmstoffe erdberührt eingesetzt werden
| Material | Preis je m² | Eigenschaften |
|---|---|---|
| XPS, extrudiertes Polystyrol | 25 bis 45 Euro | Standardlösung, druckfest, nimmt kaum Wasser auf |
| EPS Perimeter, druckfeste Sonderqualität | 20 bis 35 Euro | günstiger, nur bei nicht drückendem Wasser |
| Schaumglasplatten | 60 bis 110 Euro | vollständig wasserdicht, sehr hoch belastbar |
| Schaumglasschotter, unter der Bodenplatte | 50 bis 90 Euro | dämmt und trägt zugleich, meist Neubau |
Angegeben sind Materialpreise für 100 bis 140 Millimeter Dicke. Üblich sind 100 bis 160 Millimeter, mehr lohnt sich meist nicht, weil das Erdreich hinter der Dämmung ohnehin gleichmäßiger temperiert ist als die Außenluft. Die Platten werden mit Bitumenkleber punktweise auf die Abdichtung geklebt, niemals gedübelt: Jeder Dübel wäre ein Loch in der Abdichtung.
Die Reihenfolge auf der Baustelle
- Freilegen. Bagger bis zur Fundamentunterkante, Böschung sichern oder Verbau setzen, Regeneintrag mit Plane abhalten.
- Trocknen und begutachten. Die Wand muss sichtbar abtrocknen. Risse, offene Fugen und Fehlstellen im alten Anstrich werden jetzt aufgenommen.
- Untergrund vorbereiten. Reinigen, ausgleichen, Hohlkehle am Übergang zum Fundament anlegen, Grundierung auftragen.
- Abdichten. Zweilagige Bitumendickbeschichtung mit Gewebeeinlage, jede Lage vollständig durchtrocknen lassen. Dafür brauchst du je nach Wetter zwei bis fünf Tage.
- Dämmen. Platten von unten nach oben im Verband kleben, Stöße dicht schließen, Stufenfalz nutzen.
- Schützen. Noppenbahn mit Vlies aufstellen, oben mit Profil abschließen, damit kein Erdreich hinter die Bahn rutscht.
- Verfüllen. Lagenweise in Schichten von 30 Zentimetern, jede Lage verdichten. Kein grobes Bauschutt-Material direkt an die Dämmung.
Ohne neue Abdichtung ist die Dämmung verschwendet
Wer den Graben aufmacht, aber nur Platten anklebt, hat viel Geld für nichts ausgegeben. Der Aushub ist der teure Teil, und ihn ein zweites Mal zu bezahlen wäre absurd. Die alte Abdichtung aus den Siebzigern besteht oft nur aus einem dünnen Bitumenanstrich, der nach 50 Jahren spröde ist.
Kommt Feuchtigkeit hinter die Dämmung, bringt diese fast nichts mehr, weil nasses Mauerwerk Wärme deutlich besser leitet als trockenes. Zusätzlich wandert die Feuchte nach innen und du hast das Schimmelproblem im Keller trotz Dämmung. Was bei feuchten Wänden sonst noch zu prüfen ist, steht im Beitrag zum Keller abdichten.
Kellerdeckendämmung als günstige Alternative
Wenn dein Keller unbeheizt ist und Lagerraum bleibt, ist die Perimeterdämmung fast immer die falsche Maßnahme. Dann dämmst du besser die Kellerdecke von unten.
- Kosten: 30 bis 70 Euro je Quadratmeter fertig montiert, bei einfachen Platten in Eigenleistung ab 15 Euro je Quadratmeter Material.
- Aufwand: Für 80 Quadratmeter Kellerdecke brauchen zwei Personen zwei bis drei Tage. Kein Bagger, kein Wetterrisiko.
- Wirkung: Der Fußboden im Erdgeschoss wird spürbar wärmer, und der Effekt ist innerhalb weniger Tage messbar.
- Grenze: Du verlierst 6 bis 12 Zentimeter Raumhöhe. Unter Rohrleitungen und Kabeltrassen wird es schnell fummelig.
- Amortisation: Bei üblichen Energiepreisen liegt sie meist im Bereich weniger Jahre, während sich die Perimeterdämmung im Bestand rein rechnerisch kaum trägt.
Wann sich Perimeterdämmung im Bestand wirklich lohnt
Es gibt drei Fälle, in denen die Rechnung aufgeht. Erstens: Der Keller ist beheizt und wird als Wohn-, Büro- oder Hobbyraum genutzt. Zweitens: Der Graben muss ohnehin auf, weil die Abdichtung schadhaft ist oder Wasser eindringt. Dann kostet die Dämmung nur den Aufpreis für Platte und Kleber. Drittens: Du planst einen Anbau, eine neue Terrasse oder eine neue Dränung, bei der die Wand sowieso frei liegt.
In allen anderen Fällen steckst du das Geld sinnvoller in Dach, Fassade und Heizung. Prüfe vorher außerdem den Grundwasserstand und die Bodenverhältnisse. Steht drückendes Wasser an, brauchst du eine andere Abdichtungsklasse, und der Preis je Quadratmeter steigt schnell über 300 Euro.
Häufige Fragen
Kann ich Perimeterdämmung selbst anbringen?
Das Kleben der Platten ist machbar, Aushub und Abdichtung nicht. Ein falsch gesetzter Böschungswinkel ist lebensgefährlich, und eine fehlerhafte Abdichtung fällt erst Jahre später auf.
Welche Dämmstärke ist sinnvoll?
Üblich sind 100 bis 160 Millimeter XPS. Für Förderprogramme gelten festgelegte U-Werte, die dein Energieberater vor der Beauftragung prüfen muss, sonst gibt es keinen Zuschuss.
Muss immer eine Dränung mit eingebaut werden?
Nein. Eine Dränung ist nur sinnvoll, wenn das Wasser irgendwohin abfließen kann. Ohne Vorflut oder Pumpensumpf sammelt der Kiesgraben Wasser direkt an der Wand.
Wie lange dauert die Maßnahme am Einfamilienhaus?
Rechne mit zwei bis vier Wochen. Der reine Aushub dauert ein bis zwei Tage, den Zeitplan bestimmen Trocknungszeiten der Abdichtung und das Wetter.
Wird Perimeterdämmung gefördert?
Als energetische Einzelmaßnahme an der Gebäudehülle ist sie grundsätzlich förderfähig. Voraussetzung sind ein eingebundener Energie-Effizienz-Experte und ein Antrag vor der Auftragsvergabe.
Weitere Themen aus „daemmung“
Schreibe einen Kommentar