Vorlauftemperatur senken im Altbau: so gelingt es
Vorlauftemperatur senken im Altbau: so gelingt es
Du senkst die Vorlauftemperatur im Altbau, indem du die Heizkurve schrittweise flacher stellst und an den kältesten Tagen prüfst, ob alle Räume noch warm werden. Meist reichen dafür ein hydraulischer Abgleich und zwei bis drei größere Heizkörper.
Die kurze Antwort: Stell die Heizkurve in Schritten von 3 bis 5 Grad herunter und warte nach jedem Schritt zwei kalte Tage ab. Bleibt ein Raum kühl, ist entweder der Heizkörper zu klein oder der Volumenstrom falsch verteilt. Ziel sind 55 Grad Vorlauf am kältesten Tag, denn ab dort arbeitet eine Wärmepumpe wirtschaftlich. Der Weg dahin kostet in einem typischen Altbau 800 bis 5.000 Euro, also deutlich weniger als eine Fassadendämmung.
Warum sind 55 Grad die entscheidende Schwelle?
Eine Wärmepumpe holt Wärme aus der Luft oder dem Erdreich und hebt sie auf die nötige Temperatur. Je größer dieser Hub, desto mehr Strom braucht sie. Zwischen 35 und 55 Grad Vorlauf arbeiten die meisten Geräte noch gut, darüber fällt die Jahresarbeitszahl spürbar ab.
Als Faustwert sinkt der Stromverbrauch um rund 2,5 Prozent je Grad weniger Vorlauf. Von 70 auf 55 Grad sind das gut ein Drittel weniger Strom. Bei 4.500 Kilowattstunden Heizstrom im Jahr sparst du damit grob 400 bis 500 Euro.
Der Wert gilt für den kältesten Tag im Jahr, also die Auslegungstemperatur deines Orts. In Berlin sind das etwa minus 12 Grad, in Süddeutschland teils minus 16. An normalen Wintertagen liegt der Vorlauf ohnehin viel tiefer.
Wie testest du, ob dein Altbau mitspielt?
Der Test kostet nichts und braucht nur einen kalten Tag mit Außentemperaturen unter null Grad. Er zeigt dir schwarz auf weiß, welche Räume kritisch sind.
- Heizkurve auf einen festen Vorlauf stellen. Viele Regler erlauben einen Handbetrieb mit 55 Grad. Alternativ senkst du die Kurve so weit, dass die Anzeige 55 Grad zeigt.
- Alle Thermostate voll aufdrehen, also auf Stufe 5. Nachtabsenkung für die Testtage ausschalten.
- 24 Stunden warten. Ein Altbau reagiert träge, ein kurzer Blick nach zwei Stunden sagt nichts aus.
- In jedem Raum die Temperatur messen, mit einem einfachen Thermometer in Tischhöhe und nicht neben dem Heizkörper.
- Räume notieren, die unter 20 Grad bleiben. Genau diese brauchen später mehr Heizfläche.
Erreichen alle Räume ihre Wunschtemperatur, ist dein Haus bereit. Bleiben ein oder zwei Zimmer zurück, ist das der Normalfall und gut lösbar. Bleibt das ganze Haus kalt, steht zuerst die Gebäudehülle an.
Wie stellst du die Heizkurve richtig ein?
Die Heizkurve verknüpft Außentemperatur und Vorlauftemperatur. Zwei Werte steuern sie: die Steilheit und das Niveau. Die Steilheit bestimmt, wie stark der Vorlauf bei Kälte ansteigt. Das Niveau verschiebt die ganze Kurve nach oben oder unten.
| Beobachtung | Ursache | Einstellung |
|---|---|---|
| Im Winter kalt, in der Übergangszeit passend | Steilheit zu niedrig | Steilheit um 0,2 erhöhen |
| Im Winter passend, in der Übergangszeit zu warm | Steilheit zu hoch | Steilheit um 0,2 senken, Niveau plus 2 K |
| Immer zu warm, egal wann | Niveau zu hoch | Niveau um 3 bis 5 K senken |
| Immer zu kalt | Niveau zu niedrig | Niveau um 3 K anheben |
| Einzelner Raum kalt, Rest warm | Volumenstrom oder Heizfläche | Abgleich prüfen, Heizkörper tauschen |
Ändere immer nur einen Wert und warte zwei Tage. Typische Startwerte im Altbau mit Radiatoren sind eine Steilheit von 1,2 bis 1,6. Nach dem Abgleich landen viele bei 0,8 bis 1,1.
Dreh die Thermostate in Wohnräumen dauerhaft voll auf, während du die Kurve einstellst. Ein zugedrehtes Ventil verfälscht das Bild, weil der Raum dann nicht wegen der Kurve kühl bleibt.
Welche Maßnahme senkt die Vorlauftemperatur am stärksten?
Nicht jede Investition wirkt gleich. Der hydraulische Abgleich bringt am meisten pro Euro, weil er das vorhandene Wasser gerecht verteilt. Erst danach lohnt es sich, einzelne Heizkörper zu vergrößern.
| Maßnahme | Kosten | Senkung des Vorlaufs | Reihenfolge |
|---|---|---|---|
| Hydraulischer Abgleich Verfahren B | 600 bis 1.400 Euro | 3 bis 8 K | 1 |
| Heizkurve neu einstellen | 0 Euro | 3 bis 10 K | 1 |
| Einzelne Heizkörper tauschen | 350 bis 900 Euro je Stück | 5 bis 15 K im Raum | 2 |
| Gebläsekonvektoren in Problemräumen | 700 bis 1.500 Euro je Stück | bis 20 K im Raum | 2 |
| Oberste Geschossdecke dämmen | 30 bis 70 Euro je m² | 2 bis 5 K | 3 |
| Fenster erneuern | 600 bis 1.200 Euro je Fenster | 2 bis 4 K | 3 |
| Fassade dämmen | 140 bis 250 Euro je m² | 5 bis 12 K | 4 |
Ein größerer Heizkörper klingt nach Umbau, ist aber meist eine Stunde Arbeit. Oft passt bei gleicher Baulänge ein Typ 33 statt Typ 22, das verdoppelt fast die Leistung. Details zur Dämmseite findest du im Beitrag Altbau dämmen.
Reichen alte Rippenheizkörper im Altbau?
Häufig ja. Altbauheizkörper wurden für 90 Grad Vorlauf ausgelegt und sind dadurch großzügig dimensioniert. Wurde zwischenzeitlich gedämmt oder wurden Fenster getauscht, sind sie heute deutlich überdimensioniert. Genau das hilft dir.
Rechnerisch gilt: Halbierst du die Übertemperatur zwischen Heizkörper und Raum, brauchst du etwa die doppelte Fläche. Von 70 auf 55 Grad Vorlauf sinkt die Leistung eines Heizkörpers um rund 40 Prozent. Wer vorher 60 Prozent Reserve hatte, kommt trotzdem hin.
Guss-Rippenheizkörper haben zusätzlich einen hohen Strahlungsanteil. Der wirkt bei niedriger Vorlauftemperatur angenehmer als ein reiner Konvektor. Sie sind also kein Ausschlussgrund für eine Wärmepumpe.
- Freistehend halten: Verkleidungen und lange Vorhänge kosten 10 bis 20 Prozent Leistung.
- Thermostatköpfe erneuern, wenn sie älter als 15 Jahre sind. Alte Köpfe regeln träge und ungenau.
- Rücklauftemperatur messen: liegt sie weniger als 5 Grad unter dem Vorlauf, fließt zu viel Wasser durch.
In welcher Reihenfolge gehst du vor?
Starte mindestens einen Winter vor dem geplanten Heizungstausch. Dann hast du echte Messwerte statt Schätzungen und der Planer kann die Wärmepumpe kleiner auslegen. Kleiner heißt günstiger in Anschaffung und Betrieb.
- Heizlast grob ermitteln aus dem Verbrauch der letzten drei Jahre.
- Heizkurve absenken und den 55-Grad-Test an kalten Tagen fahren.
- Hydraulischen Abgleich nach Verfahren B beauftragen, mit raumweiser Heizlastberechnung.
- Problemräume nachrüsten, also größere Heizkörper oder Gebläsekonvektoren.
- Zweiten Winter testen und den erreichten Vorlauf dokumentieren.
- Angebote einholen mit dem gemessenen Wert als Grundlage, nicht mit der Faustformel.
Die Kosten für Abgleich und Optimierung sind über die BEG-Einzelmaßnahme mit 15 Prozent förderfähig, sofern die Heizung älter als zwei Jahre ist. Was beim Gerät selbst möglich ist, steht in der Übersicht zur Wärmepumpe Förderung 2026. Preise und Betriebskosten findest du unter Wärmepumpe Kosten.
Häufige Fragen
Kann ich die Vorlauftemperatur auch mit einer Gasheizung senken?
Ja, und es lohnt sich. Ein Brennwertkessel kondensiert erst richtig bei Rücklauftemperaturen unter 55 Grad. Damit sinkt der Gasverbrauch um 5 bis 10 Prozent.
Was ist der Unterschied zwischen Verfahren A und B?
Verfahren A schätzt die Heizlast pauschal, Verfahren B rechnet sie raumweise aus. Für die Förderung und für niedrige Vorlauftemperaturen ist Verfahren B vorgeschrieben.
Bringt eine Fußbodenheizung in einzelnen Räumen etwas?
Ja, sofern der Raum vorher der Engpass war. Sinnvoll ist das dort, wo der Boden ohnehin raus muss, etwa im Bad oder in der Küche.
Muss ich wegen Legionellen hohe Temperaturen fahren?
Das betrifft nur das Trinkwarmwasser, nicht den Heizkreis. Beide werden getrennt geregelt, der Speicher wird bei Bedarf regelmäßig aufgeheizt.
Wie merke ich, dass ich zu weit gesenkt habe?
Die Räume werden nach dem Lüften nicht mehr richtig warm und die Heizung läuft dauerhaft durch. Dann geh einen Schritt zurück und warte wieder zwei Tage.
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